Fleurier

Geschichte des Dorfes : Flurye - Florye - Florier - Fleuries - Flurié - Fleurier - Fluryes et Fluries - Fleurier

Rivière Le Butte traversant Fleurier

Die älteste bekannte Erwähnung des Namens Fleurier datiert vom 14. September 1284 und ist auf einer Pergament-Urkunde in Lateinisch niedergeschrieben. Sein Wappen wurde 1888 durch den Generalrat angenommen und wird von den drei Bächen die das Dorf durchfliessen inspiriert, sowie von seiner Lage am Verbindungspunkt des Tals von Buttes und des Felsenkessels von St-Sulpice. Im Verlauf der Jahrhunderte entwickelt sich Fleurier insbesondere durch die 1730 im Dorf eingeführten Uhrmacherei. Andere Bauten wurden verwirklicht, wie die Eröffnung einer Sekundarschule, eines Spitals, einer Post und die Einweihung der regionalen Eisenbahn des Val-de-Travers. Dieser bemerkenswerte Aufschwung ist vor allem den blühenden Uhrenunternehmen zuzuschreiben.

Das Dorf Fleurier, wie die Gesamtheit der Ortschaften des Val-de-Travers, war bis Mitte 17. Jahrhunderts ein im wesentlichen landwirtschaftliches Dorf. Nach einem Zitat von Quartier-La-Tente :

Ein armes, kleines und recht friedliches Dorf inmitten seiner kristallklaren Bäch und seiner blumenreichen Wiesen.

Vue sur Fleurier

Das eng begrenzte Gemeindegebiet, verbunden mit der schlechten Qualität der landwirtschaftlichen Grundstücke, oft sumpfiger und überschwemmter Boden, förderten in der Tat die Weiterentwicklung der Landwirtschaft nicht, wie dies in anderen Gemeinden der Fall war. Sehr früh suchten die Bewohner von Fleurier (Fleurisans) ihren Lebensunterhalt in anderen Bereichen zu verdienen.

Die handwerklichen Berufe, welche die Landwirte zusammen mit der Bewirtschaftung ihres Gutes ausübten, gewannen mehr und mehr an Wichtigkeit.

Aber die Vorfahren der Bewohner von Fleurier erwiesen ihrer Gemeinde keinen guten Dienst, denn ein grosser Teil der Bevölkerung fertigte gefärbtes oder bedrucktes Tuch aus Hanf oder Leinen an, sowie das sogenannte Indienne-Tuch. Drei Jahrhunderte später war es nicht selten, dass man einem Bewohner von Fleurier in andern Bezirken der Republik sagte : "Soso, du bist aus deinem Indianer-Reservat gekommen !“ Das Zitat blieb, aber die Produktion war schon zu dieser Zeit nur von kurzer Dauer, wegen der ausländischen Konkurrenz.

Chapeau de Napoléon

Mit dem 19. Jahrhundert beginnt für die Gemeinde eine neue Zeit aufgrund der Entwicklung der Industrie, vor allem der Uhrenindustrie. Das war ein richtiger Boom und die Ortschaft sah ihre Einwohnerzahl von 800 Seelen im Jahre 1800 auf 1500 im Jahre 1850 steigen, um am Ende des Jahrhunderts 3390 zu erreichen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte Fleurier eine Zeit des Tourismus. Es war ein sehr begehrter Urlaubsort, welcher damals 10 Hotels mit ungefähr 400 Zimmern zählte, ohne den berühmten Neuenburger Rigi zu vergessen. Es gab damals ein Projekt für eine Seilbahn "Fleurier - Chapeau de Napoléon" (Hut von Napoleon). Der touristische Elan erlosch leider schnell und die Hotels sind fast alle verschwunden.

boîte au lettres de la maison de Charles Edouard Guillaume

Neben Bovet de Chine, haben berühmte Bewohner von Fleurier die Geschichte geschrieben, wie zum Beispiel :

  • Jonas Berthoud, 1769 in Fleurier geboren, Sohn des Jean-Jacques Henri Berthoud, Uhrmacher, und der Marie-Esabeau Yersin, Spitzenklöpplerin. Sein Vater schickt ihn 1785 nach Paris um unter dem Firmennamen "Berthoud père & fils" ein Verkaufshaus zu eröffnen, mit Produkten aus der Uhren- und Textilbranche, hergestellt durch seine Familie in Fleurier. Wir sind in der Zeit der französischen Revolution. Die Adeligen, die Geschäftsherren und die Bürger der Stadt kennen seine Herkunft und vertrauen ihm Geld und Schmuck an, Welche er in seinen Warensäcken versteckt in die Schweiz zurückbringt. Jonas Berthoud eröffnet in Neuenburg eine Bank und schliesst sich einige Jahre später mit einem gewissen Courvoisier zusammen. Nach der Revolution verwandelt er sein Unternehmen in Paris in eine Bank, eine Institution, welche noch heute in der Avenue léna, unter dem Namen "Banque Odier Bungener Courvoisier" besteht. Als Anhänger des Liberalismus, der Demokratie und der Republik, setzt er sich von 1816 an als Abgeordneter an den General-Audienzen zugunsten der Einführung dieser Ideale im Neuenburgerland ein. Während des ersten Aufstandes der Patrioten gegen die aristokratisch-preussische Herrschaft wird er gegen seinen Willen zum Präsidenten der provisorischen Regierung berufen. Er stirbt 1853 in Fleurier.

Der Name Fleurier ist mit zwei Nobel-Preisen verbunden :

  • Der Physiker Charles-Edouard Guillaume (1861-1938) der den Nickelstahl erforscht hat. Er ist der Erfinder der Elinvar (El astzität iabel), eine Nickel-Stahl-Legierung. Seine Arbeiten haben zum Forschritt der Uhreindustrie und Chronometrie beigetragen. Er bekam 1920 den Nobel-Preis für Physik.
  • Der Pharmakologe Daniel Bovet (1907-1992) wurde 1957 mit dem Nobel-Preis für Physiologie und Medizin ausgezeichnet, für seine Arbeiten über die Antihistaminikum und die synthetischen Curare.

Les armoiries

Armoiries de Fleurier

1888 angenommen, stellt das Wappen von Fleurier drei Felsen dar : Le Chapeau de Napoléon, la Côte de Sassel und La Caroline. Drei Brücken überqueren die drei Bäche in Fleurier : Fleurier, Areuse und Buttes.

In Blau drei einander vorgelagerte, versetzte und nach hinten wachsende, spitze, grüne Berge mit je einer vorgelagerten, schrägrechten, gemauerten, silbernen Brücke mit drei Bögen.