Les Bayards

Geschichte des Dorfes : Bayar - Boyheart - Baiart - Baiar - Bayard

Hôtel de l'Union des Bayards

Das Dorf Les Bayards bildete sich im XIX. Jahrhundert aus dem sogenannten Dorf (Grand Bayard, Petit Bayard, Quartier Les Vuillèmes) und fünf Weilern (Le Haut-de-la-Tour, les Champs-Berthoud, les Places, Bellevue et les Prises). Es befindet sich auf einer Hochebene und ist von Bergen umgeben (Cernil, heute als Weiler betrachtet, La Côtière). Le Crêt, hinter der Grande-Prise, ist mit 1258 m der höchste Punkt. Les Bayards ist ein am Hang gelegenes Dorf, dessen Wohnhäuser sich auf beiden Seiten der Hauptstrasse befinden, also ein sogenannt lineares Dorf. Im Jahre 1800 zählte es 677 Einwohner, 837 im Jahre 1850 und war mit 1036 Seelen 1884 auf seinem demographischen Höhepunkt, um dann 1900 auf eine Einwohnerzahl von 846 zurückzufallen.

Das Wappen

Das Wappen von Les Bayards beleuchtet die Geschichte und die markanten Ereignisse für welche die Bewohner von Les Bayard (Bayardins) ihre Farben gewählt haben. Das Wappen wurde am 20. August 1889 vom Generalrat angenommen.

Geteilt von Rot im Schildhaupt mit zwei treuen Händen in Hermelinärmeln und von Blau auf einem grünen Hügel ein gemauerter, zinnengekrönter, silberner Turm mit einem Steg und mit einer schwarzen Kette belegter, goldener Schildbord.

Armoiries des Bayards, vitrail Lermite au Temple

Zuerst entschied man sich, darauf den Bayard-Turm darzustellen. Der heute verschwundene Turm sei auf Befehl von Julius Cäsar errichtet worden - eine reine Schätzung, da kein genaues Datum existiert – um die Verteidigung dieses militärisch und wirtschaftlich strategischen Durchgangs zu sichern. Der Kettenweg, "Chemin de la Chaîne", auf welchem er sich befand, war eine römische Strasse die von Châlons nach Basel führte. 1373 erwähnt ein Schriftstück des Grafen Louis den Bayard-Turm. In dieser Urkunde befreit der Graf die Bewohner von Les Verrières davon, im Turm Wache zu stehen. 1376 bestätigt die Gräfin Isabelle diese Befreiung. In einem Dokument von 1382 wird "la tourt de Baiar" (der Bayard-Turm) ebenfalls protokolliert. Nachdem er Jahrhunderte überlebte, konnte er 1517 einem besonders heftigen Sturm nicht standhalten.

Ein anderes Symbol zeigt den Mut der Bewohner von Les Bayards mit der Kette, die zwischen den Felswänden aufgehängt war und mit einem Feuer zum Glühen gebracht wurde, welches die örtliche Feindseligkeit gegenüber den Truppen Karls des Kühnen auf dem Vormarsch nach Italien zeigt. Der Engpass, welcher die Gegend von Les Verrières-Les Bayards darstellt, hatte einen besonderen Anreiz während den Burgunderkriegen: es ist in der Tat einer der geeignetsten Jurapässe für den Durchmarsch der verschiedenen Armeen. So hätte der im Januar oder Februar aus Nancy aufgebrochene Karl der Kühne eine Vorhut von fast vierhundert Männern gesandt, um diesen Durchgang zu besetzen. Ein Teil dieses Sonderkommandos wäre anfangs Februar im Engpass unterhalb des Turms erschienen und hätte unter dem Widerstand der Verteidiger und der glühenden Kette gelitten, die das Wappen von Les Bayards mit Stolz zeigt.

Chemin de la Chaîne

Auch wenn man heute noch einen in den Felsen eingemauerten Ring sieht, muss die Episode mit der Talsperre und der Kette, verteidigt durch die Leute des Ortes gegenüber den Burgundern, in Frage gestellt werden. Quartier-la-Tente bestätigt, dass es unbestritten zum einem Einsatz zwischen den Spähern der Burgunder und den am Turm postierten Schweizern gekommen sei. Aber als die ersten die gewaltigen Hindernisse sahen, di ihnen den Weg versperrten, kehrten sie zur Burg von Joux zurück, um Bericht abzustatten und Karl den Kühnen zu bewegen, sich abzuwenden und einen Durchmarsch auf der Strasse von Jougne vorzuziehen. Quartier-la-Tente schliesst, indem er unterstreicht, dass die lokale Geschichte die der Burgunderkriege ist und vielleicht sogar ein neues Licht in die Nachforschungen bring. Er bezieht sich dazu auf die Arbeiten von Ed. Girod, der die Konfrontierung bestätigt und auf Ausgrabungen von Sattelbruchstücken, Helm- und Brustpanzerscherben hinweist. Wenn auch das Versprechen herauszufinden, dass es die Kühnheit der Neuenburger war, die den Kühnen dazu bewegte eine andere Marschroute zu wählen verlockend ist, empfiehlt es sich diesen Gedanken wegzuschieben. Die Tatsache wurde seither vom Historiker Arthur Piaget als Apokryphe beurteilt. In seinen Arbeiten liest man, dass das von Domherrn Hugues de Pierre erzählte heldenhafte Ereignis eigentlich aus der Fantasie des Oberst Pury de Monlési, Freud von Rousseau, hervorgegangen sei, der durch diese Fälschung zeigen wollte, dass Neuenburg während seiner ganzen Geschichte der Schweizerseite zugeneigt war :

Hier eine wörtliche Übersetzung des in altfranzösich abgefassten Texte : Der guten und geordneten Wache erscheint die Vorhut der Burgunder, die beim Turm hinuntermarschiern will und den Unseren zuschreit, die Kette zurückzuziehen und den Durchgang zu öffnen, sonst würden alle erhängt. Auf eine solche Warnung wurde nur mit grossen Arkebusenschüssen geantwortet, so recht und gut angescheuert, dass die grossnasigen und verwegenen Burgunder alle den Rücken kehrten...daraufhin der grosse "cuc" Karl, als er den verschlossenen Durchgang sah, gegen Jouxgne marschierte und Grandson belagerte.

Ferme neuchâteloise des Bayards

Der Händedruck stellt ein entscheidendes Ereignis in der Geschichte von Les Bayards dar: die Vereinigung von Grand Bayard und Petit Bayard, im Jahre 1888. Er ist auch ein Symbol der Glaubensgemeinschaft. Da die hauptsächlichen Einnahmequellen der Gemeinde während langer Zeit von den Wäldern stammte, fassten die Gemeindebehörden das Wappen in zwei Tannenzweige ein. Schliesslich, im Willen das föderalistische und das kantonale Lager zu vereinen, ziert auch ein Band mit den kantonalen Farben und einem Schweizerkreuz das Wappen der Gemeinde, das ausserordentlich reich an Symbolen ist.

Erste schriftlich festgehaltene Spuren

Temple des Bayards

Man findet in einer Schenkungsurkunde von 1284 den Vermerk "et in piano de Bayar ad unum secatorem" was bedeutet: und auf dem Plateau von Les Bayards eine „faux“. Die „faux“ (2 Jucharten) ist eine Masseinheit, welche man benützte um Weiden zu messen, ungefähr doppelt so gross wie die „pose“ (1 Jucharte), d.h. ca. 5'400 m2. Es scheint jedoch nicht, dass der Ort vor dem XIV. Jahrhundert bewohnt war. In einem Kaufbrief von 1344, findet man den Namen von Les Bayards: "usque ad predictum loucum de Bayart" und ein Jahr früher spricht eine andere Urkunde vom "leu de Boyheart". 1382 ist die Rede vom Turm "la tourt de Baiar". Die Etymologie des Dorfnamens Les Bayards könnte aus dem altlateinischen "Bais, Baiardus" stammen, was "pays tacheté" (fleckiges Land) bedeutet, ein Name den man besonders in der Franche-Comté wiederfindet. Die Bezeichnung kommt von der Tatsache, dass die Hochfläche der Region Les Bayards mit Steinhaufen, sogenannten „Murgiers“, übersät ist.

Village des Bayards

Im XIV. und SV. Jahrhundert unternahmen die Landwirte eine methodische Urbarmachung der Region. Vorerst entwaldete der Landwirt das Gebiet nahe seines Wohnortes. Man konnte zusehen wie Grundstücke in Riemenform entstanden, die kultiviertes Land und Wohnsitz einschlossen und parallel zu den Nachbargrundstücken angeordnet waren. Durch diese Vorgehensweise kann man die Entstehung der Steinhaufen und Schieferbrüche erklären : Da der Transport dieser schweren Steine nicht in Betracht gezogen werden konnte, wurden sie in den Feldern aufgeschichtet und dienten als Abgrenzungen zwischen den verschiedenen Anwesen. Diese Topographie der langgezogenen Parzellen, die sich von der Strasse bis an den Rand der erschlossenen Waldlichtung erstreckten, behauptete sich im Laufe der Jahrhunderte und gab dem Dorf die lineare Form.

Ausser der Hypothese des "pays tachetés" (gefleckten Landes), sind auch andere Etymologien möglich. Man kann so bis in die Burgunderzeit zurückgehen, wo die Feudalherrschaften zunahmen und sich richtige Vogteien bildeten. Man sagte dann, dass der Herr des Landes "baillait" (verpachte) um bekannt zu geben, dass er seinen Untertanen einen gewissen Teil seines Ackerlandes als Lehngut zur Verfügung stellte. Man könnte also zu der ziemlich überzeugenden Annahme kommen, dass der Ursprung des Namens Les Bayards aus einer Schenkung hervorgeht. In einem anderen Zusammenhang könnte man auch denken, dass der Dorfname vom Verb in Dialektform "bayî" kommt, was "geben" bedeutet. Man musste tatsächlich ein Wegrecht bezahlen, wenn man am Bayard-Turm vorbeiging; eine ziemlich gewagte Schlussfolgerung, davon einen Dorfnamen abzuleiten. Aber es gibt noch mehr verschiedene Möglichkeiten : Das Wort Bayard könnte unter dem Namen Bayou oder Crêt-Bayou der ältesten Familie oder sogar dem ältesten Haus des Dorfes angehören. Die Tatsache, dass sich das Gebiet von Les Bayards auf einer Anhöhe befindet, könnte auch die Etymologie des Namens erklären : das alte Verb "bayer" heute "bâiller" (offen stehen) bezeichnete einen offenen, ungeschützten Orte wie in den Ausdrücken "bayer aux corneilles" (Löcher in die Luft starren) oder "porte entrebâillée" (eine spaltrbreit geöffnete Tür). Man entfernt sich dagegen vom Gedanken, dass sich ein Nachfahre von Ritter Bayard and diesem Ort niedergelassen und seinen Familiennamen als unauslöschliches Merkmal zurückgelassen habe. Man kann auch, wie Quartier-la-Tente, die Annahme zurückweisen, dass der Name von "baie" (Beere) abstammt, denn das Neuenburgerland ist reichlich mit solchen Sträuchern bewachsen, die nicht spezifisch für die Höhen von Les Bayards sind.