Môtiers

Die Geschichte des Dorfes : Mostier - Moustier - Môtiers

Môtiers : aus dem lateinischen monasterium, was Kirche oder Kloster bedeutet. Die Gründung von Môtiers vermischt sich mit der Errichtung des Priorats von Saint-Pierre, vermutlich im 10. Jahrhundert, in einem noch wenig besiedelten Val-de-Travers. Die heutige französische Schweiz gehört zu diesem Zeitpunkt zum Königreich Burgund.

Prieuré Saint-Pierre

Das Priorat ist ursprünglich eine der zahlreichen Filialen der Benediktiner-Abtei von Cluny. 1107 wird das Priorat von Saint-Pierre ins Kloster La Chaise-Dieu in Haute-Loire eingegliedert, eine Abhängigkeit, welche bis Ende des 15. Jahrhunderts dauert. Das Dorf entwickelt sich ums Kloster herum, das damals reich und mächtig ist, dank den herrschaftlichen Rechten, über welche es nicht nur im Val-de-Travers verfügt, sondern seine geistige, irdische und richterliche Macht bis ins Val-de-Ruz ausübt. Der Besitz des Priorats von Vautravers beträgt drei Fünftel des gegenwärtigen Staates von Neuenburg.

Temple de Môtiers

Die Kirche Notre-Dame (heutiger « temple von Môtiers-Boveresse ») stammt aus dem 13. Jahrhundert. Die Kirchgemeinde umfasst damals die Dörfer von Couvet, Fleurier und Boveresse. Schon zu diesem Zeitpunkt versuchen die Neuenburger Grafen Land in Richtung Frankreich zu gewinnen.

Im Jahre 1237 muss sich der mächtige Graf von Burgund, Jean de Chalon, Schirmherr des Priorats, dem Grafen Berthold von Neuenburg unterordnen. Nach und  nach verlieren die Mönche ihre herrschaftlichen Rechte und die Gerichtsbarkeit.

Entrée du Château de Môtiers

Anfangs 14. Jahrhundert sind die Grafen von Neuenburg die Landesfürsten des Val-de-Travers und lassen sich durch Schlossherren vertreten. Das Schloss (le Château), erstmals 1344 erwähnt, wird zu ihrem Wohnsitz. Es ist auch der Sitz des Zivil- und Strafgerichts. Bis 1826 wird es als Gefängnis verwendet und 1835 an eine Privatperson verkauft. Es gehört danach während vielen Jahren dem Staat Neuenburg und ist heute im Besitz des wichtigen Uhren-Unternehmens Bovet Fleurier SA.

Hôtel des Six Communes

1458 bestätigt Rodolphe de Hochberg die Befreiung von Abgaben für verschiedene Gemeinden des Val-de-Travers. Vermutlich werden zu dieser Zeit von der Gesellschaft « Six-Communes » (Sechs-Gemeinden) Holzhallen erbaut, um die vier Jahrmärkte und die Wochenmärkte zu beherbergen. Hier werden Getreide, Geflügel, Kerzen und Tuch verkauft. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts werden die Hallen abgebrochen. Man beschliesst sie wieder aufzubauen und neben den Märkten auch den Gerichtssitz, ein Gasthaus und das Gemeindehaus « Hôtel des Six-Communes » darin unterzubringen. Das Gebäude aus dem Jahre 1590 (ungefähr) kann man noch heute bewundern. Mühlen und Öfen am Ufer der Areuse sind Zeugen der damaligen Betriebsamkeit und Ausdehnung des Dorfes von Môtiers.

1537 wird im Val-de-Travers die Reformation angenommen, die Benediktiner-Mönche verlassen Môtiers, um im nahen Frankreich Zuflucht zu suchen. Das säkularisierte Priorat wird Staatsbesitz und 1749 von einer Privatperson gekauft.

Im Jahre 1723 zerstört ein heftiger Brand verschiedene Gebäude nahe des Gemeindehauses « Six-Communes ». Das 18. Jahrhundert erlebt den Anfang einer blühenden Vorindustrie. Neben der landwirtschaftlichen Arbeit widmen sich die « Môtisaner » der Anfertigung von Spitzen und der Uhrenmacherei.

Grande Rue de Môtiers

Môtiers, Mittelpunkt der Châtellenie und Sitz der Militär- und Gerichtsbehörden, wird zum Sommertreffpunkt der wichtigen Neuenburger Familien. Zu dieser Zeit werden die meisten schönen Wohnsitze gebaut, welche die « Grande-Rue » säumen.

Von 1762 bis 1765 lebt hier Jean-Jacques Rousseau, aber seine Streitigkeiten mit dem Pfarrer von Montmollin zwingen den Philosophen Môtiers zu verlassen und sich auf der St. Petersinsel niederzulassen.

Mit dem Durchbruch der Republik im Jahre 1848 wird Môtiers Bezirkshauptort und Sitz der Präfektur.

Im 19. Jahrhundert steht der Hauptort ein wenig am Rande der industriellen Entwicklung, welche der übrige Teil des Bezirkes kennt. Man findet einige kleine Uhrenfabriken, einige Absinth-Destillierer, und im Gebäude des Priorats ein Unternehmen, welches heute noch Schaumweine nach Champagner-Methode herstellt.

1987 wird die Gemeinde durch den Verkauf des Schoggitalers des Schweizer Heimatschutzes begünstigt, was die Politik anspornt das Architekturerbe zu schützen. Das Cachet des Dorfes und die Qualität seines kulturellen und künstlerischen Lebens machen Môtiers zu einen immer attraktiveren Ort.

Das Wappen

Armoiries de Môtiers

Geteilt von Gold mit einem, mit drei silbernen Sparren belegten roten Pfahl und von Rot mit einem gemauerten, zinnengekrönten, silbernen Turm und einer gemauerten, zinnengekrönten, silbernen Wehrmauer.

Im Laufe der Zeit hat sich das Wappen von Môtiers verändert, aber das Schloss und die Sparren (chevrons) sind seit dem XVI. Jahrundert darin dargestellt. Verschiedene Urkunden erwähnen den Namen dieses Dorfes, welcher sich durch die Jahrunderte gewandelt hat.

Wasserfälle und Höhle von Môtiers
Wasserfälle und Höhle von Môtiers

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