Noiraigue

Geschichte des Dorfes Noiraigue

Vue sur le village de Noiraigue

 

Die erste Erwähnung eines Dorfes geht aufs Jahr 1380 zurück. Seine bis ins letzte Jahrhundert nicht zahlreichen Bewohner wurden im XV. Jahrhundert aufgefordert, mit denen von Roères und Travers die Bewachung der Burg von Clusette zu gewährleisten. 1413 bildete Conrad de Fribourg, Graf von Neuenburg, die Seigneurie von Travers, indem er Noiraigue, Travers und Rosières vereinte, um sie als Lehngut an Jean, Sohn des Bâtard Girard von Neuenburg, zu geben. Dieser Zweig erlosch 1587 und die Seigneurie ging an Ulrich de Bonstetten.

Bei der schwierigen und umstrittenen Aufteilung seines Erbes nahm eines seiner Kinder, Anne-Marie de Bonstetten, im Jahre 1682 den Titel « Dame de Noiraigue » an, gab aber schon 1713 ihre Rechte an den Prinzen von Neuenburg ab.

 

Das Wappen

Armoiries de Noiraigue

Das vielsagende 1878 geschaffene Wappen beinhaltet in der ersten Hälfte das Wappen von Travers, im Andenken an ihren ehemaligen Seigneur, währenddem die zweite Hälfte das schwarze Wasser "la noire aigue", symbolisiert, das sich in die sehr schönen und vielbewunderten Schluchten der Areuse stürzt.

Gespalten von Blau mit drei leicht schrägrechten, übereinanderliegenden, gegengewendeten, silbernen Forellen und von Gold mit einem schwarzen Wellenbalken.

Einige Daten

Source de la Noiraigue

998 – Erste Erwähnung. Der Berg der Nigra aqua wird in der Gründungsurkunde des Priorats von Bevaix erwähnt. (Erste schriftlich niedergelegte Spur der Neuenburger Vergangenheit).

1380 – Anerkennung des Seigneur de Neuchâtel "Item, la panneterie de tout le Vauxtravers et centes de la ville de Noire-Aigue".

1413 - Noiraigue wird an die Seigneurie von Travers angegliedert und zusammen mit Travers und Rosières mit der Aufsicht des Waldes der Burg la Clusette (L’Eclusatte) beauftragt, die 1413 und 1476 erwähnt wird, aber von der man jede Spur verloren hat. 1408 wird ein Girard de Rosières erwähnt.

1629 – Eine Kapelle wird gebaut. Der Baldachin der Kanzel trägt diese Jahrzahl bis 1894.

1641 – Handbuch des Staatsrates : 9. November, Noiraigue bekommt die Bewilligung ein Grundstück zu kaufen um ein Auditorium und einen Friedhof zu erbauen.

1651 – Die Gemeindeglieder beantragen einen Pfarrer.

1682 - Anne-Marie de Bonstetten, Gemahlin von Henri de Sandoz, Seigneur de Travers, wird zur Dame von Noiraigue.

1713 – Die Rechte auf Noiraigue werden für 120'000 Pfunde (ungefähr 1'200'000 Franken) an den Prinzen von Neuenburg verkauft.

1719 – Grosser Dorfbrand. Das Dorf zählte 13 Häuser. Das Feuer verschont nur 3 Häuser und die Kapelle.

1721 – Wiederaufbau. Ein Verzeichnis der Gemeinde erläutert in alt-französischer Sprache : « die ehrbare Gemeinschaft von Noiraigue und Rosières versammelte sich um die obengenannte Anordnung der niedergebrannten Gebäude wieder herzustellen... »

1762 – Gründung der « Noble Abbaye von Noiraigue», edle Abtei von Noiraigue.

Collège de Noiraigue

1764 – Verschiedene Mühlen und Nagelschmieden arbeiten in Noiraigue. Es folgen die Namen von vier Nagelsorten, die Henri Perrin im dritten Viertel des XIX. Jahrhunderts herstellte:

  1. Die« Latterets », lange Nägel, für die Bauabeiten und vor allem für das Befestigen von Stützen und Decken.
  2. Die längsten Nägel, « latterets renforcés » genannt, erreichten 15 oder 20 Zentimeter. Gewisse Nägel, sogenannte « clous de noue », wurden von den Dachdeckern verwendet.
  3. Die « Savoyards », vierkantige Schuhnägel in vier Schlägen. Die « Clous de chauques », abgeflacht in zwei Schlägen.
  4. Die "S", welche von den Bauern verwendet wurden um ihre Eisenketten auszubessern.

1789 – Konzept eines Fundus für die öffentliche Ausbildung.

1798 – Reparaturarbeiten an der reformierten Kirche. Eine Glocke wird in Bellelay gekauft. Die Glocken I und II wurden 1861 und 1862 von Louis-Constant Perrenoud gegossen. Die Glocke III aus dem Kloster von Bellelay stammend, wurde 1798 von der Gemeinde gekauft. Sie trägt den Namen von Abt Jean-Georges Voirol (1706-1719) und die Wappen der Abtei. Der Jungfrau Maria gewidmet, wurde sie 1718 gegossen.

1800 – Der Justicier Pettavel (Ältester der Bürgerwehr) hält Schule.

1807 – Die Schule findet in einem kleinen Saal statt.

1816 – Ein Erdrutsch macht die Strasse von La Clusette unbefahrbar.

1817 – Eine neue Strasse wird gebaut.

1842 – Ein Arc de Triomphe wird für den Durchgang der Landesfürsten gebaut.

1845 – Bau der Schule, die später zur Pfarrei wird.

1860 – Französich-schweizerische Eisenbahnlinie.

1866 – Umbau des Turmes der reformierten Kirche (Granitarbeiter).

1873 – Bau der heutigen Mittelschule, eingeweiht am 21. November.

1879 – Noiraigue wird zur Kirchgemeinde . Der Staatsrat (Conseil d’Etat) erteilt am 12. Februar die Bewilligung.

1885 – Ein katholischer Gottesdienst wird gehalten. Ab 1889 wird eine Kapelle gebaut und es findet ein monatlicher Gottesdienst statt.

1889 – 8. Turnfest des Bezirkes vom 16. bis 18. August.

1893 – Einweihung der Turnhalle am 23. September und neuer Bahnhof.

Temple de Noiraigue

1910 – 15. Turnfest (25. und 26. Juni).

1922 – Einweihung der Orgel mit 10 Registern aus dem Haus Kuhn von Maennedorf.

1923 – Einweihung der Fahne des Männerchors (1. Juli).

1927 – Restaurierung der reformierten Kirche.

1929 – Im Herbst bereitete die Kirchgemeinde von Noiraigue die Gedenkfeier des fünfzigjährigen Jubiläums ihrer Gründung vor, und gleichzeitig die des dreihundertjährigen Jubiläums des ersten kirchlichen Bauwerks des Ortes.

Zu diesem letzten Punkt bat die Gemeindebehörde das Staatsarchiv um einige genauere Angaben und historische Auskünfte. Der Unterarchivar antwortete am 15. November, dass man im Buch von Quartier-la-Tente wohl den Hinweis auf einen Kapellenbau von 1629 finde, der aus Schriften stamme, die in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts erschienen sind, aber dass diese Auskunft im Widerspruch zu den Urkunden der ehrwürdigen « Classe des Pasteurs » (Klasse der Pastoren) und der Handbücher des Staatsrates (Conseil d’état) stehe. Es ginge aus diesen eingesehenen und genannten Dokumenten hervor, dass die Kapelle von Noiraigue zwischen 1641 und 1650 erbaut worden sei und nicht im Jahre 1629. Drei Tage später suchte der Vorsitzende des Gemeinderates von Noiraigue, M. J.-F. Joly, den Unterarchivar an seinem Wohnsitz auf, sagte ihm, dass er vom Ergebnis der Nachforschungen Kenntnis genommen habe, aber dass die für den 1. Dezember 1929 vorgesehene Gedenkfeier schon im Dorf und in der Bevölkerung in Vorbereitung sei und es bedauernswert wäre, den schönen Elan einer Kirchgemeinde zu brechen, indem man diese Erinnerungsfeier auf 20 Jahre später verschiebe ! Er bat den Unterarchivar, Autor der Nachforschungen, diesbezüglich während mindestens drei Jahren nichts bekannt zu machen, noch zu veröffentlichen und nur im Geheimen über die Veranstaltung zu lachen, die sich am 1. Dezember 1929 in Noiraigue abspielen werde. Der Unterarchivar hielt Wort während… 20 Jahren, bis M. Joly in eigener Person am 7. Oktober 1949 zum Anlass des exakten dreihundertjährigen Jubiläums eines kirchlichen Bauwerks in Noiraigue diese historische Notiz verlas.

1936 – Wiedereröffnung einer Sägerei durch die Brüder Monard.

1949 – Dreihuntertjähriges Jubiläum der reformierten Kirche.

1954 – 25. August : Die Brücke der Areuse stürzt ein. Der Verkehr nach dem Weiler von Vers-Chez-Joly ist unterbrochen, das Dorf hat keine telephonische Verbindung mehr und die Leitung, die es mit Trinkwasser von der "fontaine froide" (kalte Quelle) versorgt, ist unterbrochen.

1956 – 6. März : Mitteilung des Gemeinderates an den Generalrat, was die Bezeichnung der Strassen anbelangt. Oben im Dorf wird die Strasse « rue de l'ancien stand » (des alten Schiess-Standes) zur Perrin-Strasse, die Collège-Strasse wird auf den Bahnübergang beschränkt. Von dort aus und bis zur Brücke werden wir die Areuse-Strasse haben an Stelle der « rue des anciens Abattoirs » (der alten Schlachthöfe).

1956 - August : Erdrutsch in Rosières auf der Baustelle zur Instandsetzung der kantonalen Strasse.

1970 - September : Abbruch der Café-Pension "Le Palace".

1972 - Dezember : Schliessung der Metzgerei Henri-François Gygi. Henri Gygi übernimmt das Unternehmen seines Vaters anfangs Jahrhundert. Die Metzgerei wird 1920 von Louis Ricca weitergeführt, welcher sie während 33 Jahren bewirtschaftet, 1953 wird sie von Louis Racine übernommen.

1976 – Die Mühle Petitpierre de Noiraigue wird an die « Confrérie des meuniers » (Bruderschaft der Müller) von Col-des-Roches abgegeben.

1990 - Februar : Die Libarde tritt über die Ufer.

1998 - Tausendjahrfeier.

Bibliographie

Texte aus der Broschüre, erschienen zum Anlass der Tausendjahrfeier von Noiraigue "998 Noiraigue 1998". Quellen : M. Jacques Steudler, Les Bayards, Quartier-la-Tente; Staats-Archive von Neuenburg; Gemeinde-Archive ; Les cahiers du Val-de-Travers, E. Klauser.