St-Sulpice

Die Geschichte des Dorfes St-Sulpice

L'Areuse à St-Sulpice

An der Quelle der Areuse liegend, verfügt dieses Dorf über reichlich Wasser und war von jeher ein sehr industrieller Ort. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts beherbergte St-Sulpice erfolgreiche Unternehmen wie Portland Zement oder die Champignonzucht Santana.

Von wenigen Metern der Quelle an und bis hin zur Brücke Pont-de-la-Roche, wurde der Wasserlauf während der Jahre von einer grossen Zahl von Betrieben genutzt. Die Häuser wurden natürlicherweise um die Fabriken herum gebaut, so dass sich dieses reizende und ländliche Dorf auf dem Wasserlauf befindet.

Auf der alten Strasse von Frankreich herkommend, die mit dem Namen "Chemin de la Chaîne" bezeichnet ist, geht man nahe am Standort des alten Bayard-Turms und der Kette vorbei und gelangt zur grossen Strasse von Les Verrières. Nicht weit davon befindet sich eine durch zwei Hügel geformte Vertiefung, Combe à la Vuivra genannt. Dieser Name ist an mehreren benachbarten Orten des Dorfes anzutreffen und erinnert an die Legende der berühmten Schlange. Es gibt den Brunnen an der Vuivra und oben am Gelände, wo der Turm stand, befindet sich ein Felsen, der als Grenzstein zwischen Les Bayards und St-Sulpice dient und in den ältesten Grenz-Urkunden "La Roche à la Vuivra" (Fels von Vuivra) genannt wird.

Das Wappen

Das erste Erscheinen eines Wappenprojektes für die Gemeinde von St-Sulpice trägt das Datum der Sitzung des Gemeinderates vom 8. Mai 1889. Es wurde von M. Maurice Tripet, Heraldiker von Neuenburg, vorgeschlagen und vom Generalrat am 4. November desselben Jahres genehmigt.

Geviert, 1 in Blau auf einem grünen Dreiberg ein gemauerter, zinnengekrönter, silberner Turm, 2 in Gold ein gewundener, rotbezungter, grüner Lindwurm, 3 in Gold ein schwarzes Mühlrad, 4 in Rot zwei gekreuzte, silberne Schreinerhämmer und mit einer schwarzen Kette belegter, silberner Schildbord.

Armoiries de St-Sulpice

Der Schild ist in vier Viertel aufgeteilt :

Der erste : in blau, zeigt einen weissen auf drei grüne Bergkuppen gesetzten Turm ; es handelt sich um den Bayard-Turm, Wach- und Zollposten an der Grenze der alten Kastellanei des Val-de-Travers und des Rathauses von Les Verrières gelegen, oberhalb der Enge von St-Sulpice, erwähnt vom XIV. bis XVIII. Jahrhundert.

Der zweite : in gelb, illustriert die Legende der Schlange (viuvre oder vouivre) aus dem Lateinischen « vipra » = Viper, in grün dargestellt mit einer roten Schlangenzunge, ohne Zweifel der volkstümliche Begriff der Strassenräuber, die im Mittelalter in der Umgebung solcher unausweichlichen Durchgängen ihr Unwesen trieben.

Der dritte : in gelb, erinnert mit seinem schwarzen Rad an die hydraulischen Anlagen, die der Areuse entlang, zwischen der Quelle der Doux und der Brücke Pont-de-la-Roche funktionierten.

Der vierte : rot, mit zwei weissen Klopfpeitschen in X-Form, welche die ehemalige örtliche Eisenindustrie verewigen.

Diese vier Viertel sind von einer weissen mit einer schwarzen Kette durchzogenen Einfassung umrahmt, jene, welche bis 1843 die Aufgabe der Zollschranke am Fusse des Bayard-Turms erfüllte und den Truppen Karls des Kühnen verwehrte in die Gegend einzudringen, (heute im regionalen historischen und handwerklichen Museum von Val-de-Travers in Môtiers aufbewahrt).

Dieses Wappen ist nicht unbedingt vielsagend, denn seine Figuren und Symbole illustrieren nicht direkt den Namen von St-Sulpice.

Der Turm von Bayard

Vue sur le village de St-Sulpice

Die erste Erwähnung eines Turmes stammt aus dem X. Jahrhundert. Sein Abbruch fand 1517 nach einem Sturm statt. Man sagt, dass er durch Julius Cäsar (gest. 44 vor J.-C.) erbaut wurde, um darin eine Garnison zu installieren.

An diesem Durchgang erschien 1476 eine Vorhut, um ins Neuenburgerland einzudringen. Es handelte sich um Burgunder-Soldaten angeführt von Karl dem Kühnen. Dieser wollte die mit Neunburg verbündeten Truppen bekämpfen, vor allem die Berner.

Die Neuenburger und ihre Verbündeten besetzten in kurzer Zeit den Ort. Da der sehr enge Durchgang nicht erlaubte mit einer Armee durchzuziehen, zogen sich die Burgunder-Soldaten bis nach Vallorbe zurück, und das Zusammentreffen mit den verbündeten Truppen fand in Grandson statt.

1517 stürzte der Turm durch einen heftigen Sturm ein. Die Bewohner des Val-de-Travers verlangten verschiedene Male von den zwölf Kantonen den Wiederaufbau des Turms, « damit sie im Falle eines Krieges mit Burgund leichter verteidigt werden könnten ». Die Staatsabgeordneten gaben jedes Mal zu, dass es nötig sei ihn wieder aufzubauen und unterbreiteten den Fall mit Weiterempfehlung an ihre Vorgesetzten (Bundes-Protokolle 1522, 1524), aber die Herrschaft über den Kanton ging zu Ende, bevor die Sache ausgeführt wurde, und von da an wurde nichts mehr davon erwähnt.

Bei der Vergrösserung des Durchgangs 1748, zerstörte man ein dazugehörendes Gewölbe und fand in den Trümmern Pfeile und Medaillen. Pierre Lambelet erzählt 1794, dass man noch zu diesem Zeitpunkt die Trümmer des Turms sehen konnte. Er erinnert bei dieser Gelegenheit daran, dass man früher an diesem Ort die Maut zahlte, von welcher die Bewohner von Les Verrières durch die Gräfin Isabelle 1373 befreit worden waren. Diese Maut wurde nach der Zerstörung des Turms in Saint-Sulpice erhoben. Wir haben im Manuskript von Moïse Guye (1670) die folgende kuriose Tabelle wiedergefunden :

Auszug aus der Grossen Maut "Extrait du Grand péage" des Vauxtravers (29 juin 1613)

der Brotsack 3 starke Dinare
die auf dem Nacken getragene Last des Tuches 12 Dinare
ein Tausender Erz 12 Dinare
die Last des Salgnon Salzes 2 Dinare
der Ochs 1 Dinar
die Kuh 1 Dinar
das Schwein 1 Dinar
usw.

Der Dinar war 0.975 und der Sol 1.15 Rappen wert.

Der Kettenweg

Panneau d'entrée du village St-Sulpice

Dieser abschüssige und für den Autoverkehr untersagte Weg verbindet den westlichen Teil des Dorfes St-Sulpice mit Haut-de-la-Tour in Richtung von Les Verrières.

Der Bayard-Turm überragte den unteren Teil des Vallon, das als einziges den Talboden mit Frankreich verband. So richtete man hier eine Kette ein, die den unerwünschten Reisenden den Weg versperren konnte. Der Berühmteste unter diesen Abgewiesenen ist ohne Zweifel Karl der Kühne, der 1476 mit seiner Armee kehrtmachen musste.

Die Legende der "viuvre"

La vuivre combattue par Sulpy Reymon

Nicht weit von da entfernt machte der heldenhafte Suply Reymon in einem blutigen Duell der "vuivre" Viper- furchterregendes Monster der Neuenburger Berge und angeklagt die Reisenden zu verschlingen - den Garaus. Der arme Suply starb wenig später an den im Zweikampf erlittenen Verletzungen und wurde ein Teil der regionalen Legende.

Hier die deutsche wörtlich übersetzte Version der Legende, aufgefunden im Manuskript von Gallandre, (Manuskript der Stadtbibliothek von Neuenburg und zugleich das älteste Werk, das die Legende in altem Französisch wiedergibt, 1687) :

Es ist dreihundert Jahre her, seitdem sich eine riesige Schlange in Drachenform auf dem grossen Weg des Tales von "Sainct-Seulpy", auf der Burgunderseite, an der engsten Stelle des Durchgangs ganz nahe beim Turm aufhielt und während einigen Jahren viel Übel und Schaden an Menschen und Tieren anrichtete, dass niemand mehr traute sich da herumzutreiben oder vorüberzugehen; die Leute der umliegenden Dörfer und Häuser konnten den Ort nicht mehr halten, auch nicht ihr vieh, welches zur Landbestellung und Nahrung diente, unterbringen und pflegen; der Handel und Verkehr unterblieb im ganzen Land und seiner Umgebung. Eine Person namens Seulpy Reymon, aus dem Ort stammend, einer der mutigsten, der seine Heimat von dieser Gefahr befreien wollte wie ehemals ein Marcus Curtius in Rosme (Rom), hatte den tapferen Vorsatz gefasst, sie anzugreifen; er machte es so gut, dass er sie überraschte und mit grossen Stein- und Hellebardenhieben tötete und den Leib an Ort und Stelle verbrannte; so dass die Vorbeiziehenden durch den üblen Geruch in Schrecken versetzt wurden. Aber einige Tage später wurde er krank und starb wegen des grossen Gestankes und des Giftes, welches dieses grässliche Tier in sich trug; trotz aller Pflege und Fürsorge die man verwendete um ihn zu kurieren und ihn vor und nach dem Unternehmen zu bewahren. Seine Vorfahren lebten in knechtische Bedingugen, seitdem di "Vandales" Herrscher des ganzen Helvetien-Landes und der Nachbarschaft geworden waren; von welcher Bedingung die Nachfahren und Familienglieder des gesagten Reymond vom letzten Prinzen und Grafen von Neuenburg "Neufchastel" und Nachkommen der Könige von Burgund befreit wurden, und für die heldenhafte Tat ihres Anverwandten andere elde Rechte und Privilegien als Belohnung bekamen, in welchem Besitz sie noch heute sind, am Ort von Sainct-Sulpy, und in anderen Gegenden ausser- und innerhalb des Landes, wo sie sich eingelebt haben.

Die Kette

Vue sur St-Sulpice

Zur Zeit von Karl dem Kühnen war der Durchgang, wo die Kette hing, zweifellos enger als heute. Nach den Spuren im Fels musste die Kette dreimal über den Weg gehen. Der Weg wurde später verbreitert und man vermutet, dass auch die Kette verlängert wurde. Der grosse Hacken am Ende der Kette trägt die Jahrzahl von 1722 und die Initialen A.H. (Abraham Henriod, Schmied von St-Sulpice).

Die Überlieferung sagt, dass der Weg 1722 verbreitert wurde. Ein anderer Hacken trägt die Jahrzahl 1840 mit den Initialen A. J. (Ami Juvet). Die Schmiede gehörte der Familie Henriod und ging 1745 an die Familie Juvet über.

Der Grund, warum man 1840 neue Hacken gemacht hatte, war, dass ein Teil der Kette gestohlen worden war. Später wurde sie ganz entwendet. Während langer Zeit blieben die Nachforschungen vergeblich. Eine gerichtliche Ermittlung brachte kein Ergebnis. Zum Glück kam ein anonymer Denunziant auf die Spur des Diebstahls, und die Kette wurde in einem Busch nahe der französischen Grenze wiedergefunden.

Man deponierte sie im Haus der Präfektur in Môtiers, wo sie fast in Vergessenheit geriet, bis sie im Jahre 1861 ins historische und handwerkliche Museum von Val-de-Travers in Môtiers gebracht wurde. Sie ist heute eine der interessantesten Reliquien der Geschichte dieser Gegend.