Travers

Die Geschichte des Dorfes Travers

Ehemalige Neuenburger-Gemeinde, Bezirk von Val-de-Travers, seit 2009 Gemeinde von Val-de-Travers zusammen mit Les Bayards, Boveresse, Couvet, Fleurier, Môtiers (NE), Noiraigue et Saint-Sulpice (NE). Ein Dorf auf beiden Uferseiten der Areuse, welches zahlreiche Weiler umfasst. Traversum im Jahre 1202, Travers 1229. Das Dorf wird vermutlich nach dem Tal vallis transversa benannt, erwähnt im XI. Jahrhundert, und nicht das Tal nach dem Dorf.

 

 

Temple de Travers

1457 Einwohner im Jahre1848, 2152 im Jahre 1884, 2032 im Jahre 1920, 1641 im Jahre 1950, 1206 im Jahre 1990. Besitztum der Grafen von Neuenburg seit dem XIII. Jahrhundert. 1413 wurde Travers durch Conrad de Fribourg zur sogenannten Seigneurie (Herrschaft) gemacht.

Zuerst abhängig von Jean de Neuchâtel-Vaumarcus, ging die Herrschaft 1587 in die Hand der Familie de Bonstetten, anschliessend von 1761 an die Familie Sandoz, die sie 1827 an den Prinzen abgab. Die 1228 erwähnte, dem Heiligen Côme geweihte Kirche, wurde nach dem Umbau1569 zur reformierten Kirche. 1939 Bau der katholischen Kirche Saint-Joseph. Sitz einer Präfektur. 1848 leistete Travers einen wichtigen Beitrag zum Umsturz des Ancien Régime und wurde 1850 die erste Neuenburger-Gemeinde mit einer Gemeindeverwaltung nach republikanischem Vorbild.

Les Mines d'Asphalte

Mitte des XIX. Jahrhunderts wich die landwirtschaftliche Tradition von Travers der fortschreitenden Industrialisierung, geprägt durch die Niederlassung von Uhren-Manufakturen und vor allem durch die Ausbeutung der grossen 1711 entdeckten Asphaltmine in der Presta. Die Eisenbahnstrecke Neuenburg-Pontarlier seit 1860 und die Wahl von Travers für den « Regional du Val-de-Travers » 1883, wirkten ebenfalls am wirtschaftlichen Wachstum des Ortes mit.

1865 zerstörte ein Dorfbrand 101 Häuser, und der Wiederaufbau des Dorfes förderte zusätzlich die industrielle Entwicklung von Travers. Seit 1975 hat Travers nach und nach den grössten Teil seiner Industrien verloren und sich in ein Wohndorf verwandelt, dessen Einwohner ausserhalb des Ortes arbeiten. Die zahlreichen abgeschiedenen Bauernhöfe der Gemeinde halten eine kräftigen landwirtschaftliche Tätigkeit aufrecht.

Bibliographie

MAH NE, 3, 1968, 17-27

Autor : Jean-Pierre Jelmini (geboren in Travers en 1942) : Travers Geschichtslexikon der Schweiz (DHS), http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/f/F2881.php

Geschichtslexikon der Schweiz (DHS), Hirschengraben 11, case postale 6576, 3001 Berne, Tél. +41 31 313 13 30, fax +41 313 13 39, mail : info(at)dhs(dot)ch

Berne, Februar 2006

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Das Schloss

Diese ehemalige Residenz der Seigneurs von Travers war nie eine feudalistische Festung. Sie steht oberhalb der Strasse, nicht weit von der Kirche entfernt, am selben Hang, vor dem Hochwasser der Areuse geschützt.

Entrée du Château de Travers

Ende des XV. Jahrhunderts befand sich das Herrschaftsgebäude, ein umzäuntes Grundstück des Landgutes, zwischen dem Fluss und dem Weg. 1525 erwähnt das Verzeichnis über Besitzrechte einer Grundherrschaft « les Reconnaissances » nur einen ehemals überbauten Boden, während 1553 eine Scheune auf dem Gelände stand. Man kann davon ausgehen, dass das Herrschaftshaus im XVI. Jahrhundert an der heutigen Stelle gebaut wurde.

Jules de Sandoz-Travers bestätigt ausserdem, dass 1572 eine schwere Überschwemmung der Areuse das alte Schloss teilweise zerstörte. – Wie dem auch sei, Jean de Neuchâtel, Mitregent von Vaumarcus und Travers, der 1574 sein Haus baute, bekam vom Staatsrat die Erlaubnis, den Weg nach unten neben seine Scheune zu verlegen, um die Grösse eines als zu eng beurteilten Hofes zu verbessern. Ein Taubenschlag und ein mit einem Wappen versehene Wetterfahne bezeugten den Stand der Bewohner.


1656 verpflichtete der Staatsrat die Leute von Travers, das nötige Material zur Instandsetzung des Schlosses herbeizuschaffen. Anlässlich einer Teilung des Gebäudes, 1962, bekamen Charles-Auguste und Frédéric-Louis de Bonstetten den westlichen Teil bis jenseits der Treppe, welcher einen Ofen und ein heizbares Zimmer im Süden, ein Kabinett auf der anderen Seite des Flurs, einen Kellerraum oder Küche, einen kleinen Ofen im Westen umfassten ; im Obergeschoss den Flur, den südlichen Saal und ein Kabinett, dann gegenüber das westliche Zimmer, die Kohlenkammer und die Nebenräume. Henri Sandoz, Seigneur von Noiraigue durch seine Frau, bekam den östlichen Teil : die Küche, den Keller, die Mühlenkammer und die Metzgerei, den Hühnerhof, den Taubenschlag und die Backöfen ; schliesslich im Obergeschoss das « lange Zimmer », den Saal über der Küche und den grossen Nordsaal bis zum Durchgang der Latrinen. Man nimmt an, dass Trennwände errichtet wurden, die Gefängnisse ungeteilt blieben und die Bonstetten 1000 Pfund an ihre Anverwandten bezahlen mussten, denn der Westteil des Hauses war besser gebaut. Henri Sandoz zögerte nicht, den ihm zugefallenen Ostteil ernstlich zu verbessern.

Château de Travers

Nach dem Erwerb dieses Schlossteils durch den Fürsten im Jahre 1713, werden während der Unterhaltsarbeiten einige Einzelheiten deutlich : Küche und Ofen scheinen verschiedene Dächer zu haben, der Taubenschlag befindet sich in einem Turm. Die Bonstetten und die Vertreter des Prinzen stritten anschliessend um die Verteidigung ihrer Rechte.

Der Fürst verkaufte 1750 seinen Teil, die östliche Hälfte des Schlosses, an Jean-Henri Jeanrenaud. Nach langen Verfahren, die mit dem Tod von Jean de Bonstetten begannen, kam der westliche Teil 1761 an Jean-Jacques de Sandoz, der im Innern die notwendigen Reparaturen durchführen liess. Der Fürst behielt jedoch dort ein Gefängnis bei.

Mittlerweile, gegen 1782, hatten die Sandoz-Rosières von den Erben des « receveur » (Verwalter) Jeanrenaud den Ostteil des Gebäudes zurückgekauft. Das Gebälk musste neu aufgebaut werden, was zweifellos erlaubte, die Dachschindeln 1816 durch Ziegel zu ersetzen. Vier Monate nach dem Brand von 1865, welcher das Schloss verschont hatte, kaufte es die Gemeinde von Travers den Erben von François de Sandoz-Travers ab, der 1838 Eigentümer des ganzen Gebäudes geworden war. Man richtete darin die Schulen ein, die öffentlichen Dienststellen und Wohnungen. 1949 fand eine Restaurierung statt.

www.swisscastles.ch

Die "Noble corportation" der Abteien von Travers

Pont de Travers

Nach dem Tod von Marie de Bourbon, Mutter von Henri Ier, wurde Henri II, mit seiner Mutter Catherine de Gonzague als Regentin, als Landesfürst von Neuenburg und Valangin anerkannt.

Die Erneuerung des Bündnisses des Königs von Frankreich mit den verbündeten Kantonen, welche die damalige Schweiz bildeten, war an der Tagesordnung. Die Stadt Neuenburg wollte sich auch anschliessen, aber die Prinzessin Gonzague lehnte die Anfrage der Neuenburger ab. Sie schrieb an Silleri : "Sie wissen, von welcher Wichtigkeit es für die Souveränität wäre, sie von Untertanen, was sie auch sind, zu Verbündeten des Königs von Frankreich zu machen (…) ».

Noch vor diesen politischen Ereignissen, im Jahre 1534, errichteten die Bürger von Neuenburg, seit 1406 in der Gesellschaft der Armbrustschützen zusammengeschlossen, einen Stand für die Schiessübungen. Es dauerte nicht lange bis sich die Ausübung des Schiessens vom Hauptort aufs Land ausbreitete. An gewissen Orten des Val-de-Travers entstanden Schiessabteien.

Auch die Bewohner von Travers nahmen ihr Schicksal in die Hand und gründeten ihre Abtei. Diese « noble corporation » besteht noch heute. Unsere ältesten Schriften und Register gehen auf den 27. Mai 1606 zurück. Unsere « Ancienne Abbaye » (Alte Abtei), besteht folglich seit mehr als 400 Jahren.

Auszug aus der Festschrift zum 400. Geburtstag der Abteien von Travers (1606 bis 2006) vom 27. Mai 2006.

Das Wappen

Armoiries de Travers

In Blau drei leicht schrägrechte, übereinanderliegende, gegengewendete, silberne Forellen.

Dieses Wappen wurden 1890 bestätigt.