Couvet

Die Geschichte von Covés - Covet - Couvet

Vue sur le village de Couvet

Man muss bis auf das Jahr 1300 zurückgehen um eine Akte zu finden, die das Gebiet von Covés erwähnt. Dreissig Familien lassen sich im Val-de-Travers, in Couvet, nieder (Dubied, Coulin, Andrié et Favre). Zur gleichen Zeit siedelt sich eine Familie Berthoulx unbekannter Herkunft in Plancemont an, welches lange « Vers chez Berthoud » genannt wird. 1314 wird ein Berg Covés erwähnt. Die Lokalität erhält ihren Namen von den « covets », was als Fusswärmer gebrauchte Töpfe bezeichnet, die von den zahlreichen seit dem Mittelalter hier installierten Töpfern angefertigt werden. Die Uhrmacherei, die Asphaltherstellung, die Absinth-Destillation, die Fabrikation von Steingut oder auch die Strickmaschinen-Industrie waren Sternstunden dieses Ortes. Bis heute überlebt als grosse Industrie das Wellkarton-Unternehmen. 1450, nach der Feuersbrunst von Neuenburg, kommen die Familien Borel, Petitpierre, Jeanjaquet, Henriod nach Couvet. (Eine Familie Borel gab es schon früher).

Das Wappen

In Silber drei rotbeflammte, rote Tonkrüge (2,1).

Armoiries de Couvet

Auf einem weissen Grund befinden sich drei « covets » (Krüge): diese irdenen Krüge wurden vom XVI. Jahrhundert an in der Ortschaft angefertigt und dienten früher als Fusswärmer oder «  braseros » ; die Flamme, die aus jedem Krug aufsteigt, ist in natura „Münder“ (heraldische Farbe rot) und Gold (gelb).

Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde das Wappen durch die drei gelbsteinigen Feuertöpe inspiriert (1970 ersetzt), welche auf dem Gesims des Haupteingangs der Kirche ersichtlich sind, am östlichen Fuss des von 1765 bis 1766 erbauten grauen Felsentrums. Das Wappen wurde am 27. März 1890 vom Generalrat (Conseil général) verabschiedet. Gemäss den sehr strikten Regeln der Heraldik, wurden diese drei Töpfe in "V" -Form auf dem Wappenschild angeordnet, zwei in der oberen Hälfte und einer in der unteren Hälfte. Infolge einer von Louis Petitpierre-Risler gestellten Anfrage, die sich auf die Verordnung der "A" -Form dieser Krüge der Kirchentüre und die einstigen Banner der Abteien abstützte (zwei Krüge in der unteren und ein Krug in der oberen Hälfte), entschied die Legislative von Couvet an ihrer Sitzung vom 21. März 1930, das Gemeindewappen nach folgendem Wortlaut umzuändern : Auf weissem Grund drei rote Krüge, "schlecht bestellt" in unordnug angelegt und deshalb ein nutzloses Wappen, zwei unten und eine obe, wobei sich aus jedem eine rote und gelbe Flammen erhebt. Ein Affront gegenüber der Wappen-Wissenschaft !

Achtzehn Jahre später, auf den Vorschlag des Sohnes des Antragsstellers von 1930, André Petitpierre-Probst, stellte der Generalrat in der Sitzung vom 9. Juli 1948 die ursprüngliche Anordnung wieder her und akzeptierte den neuen Artikel 2 des Gemeindereglement : "Auf Weissem Grund drei rote Krüge, einer unten und zwei oben, wobei sich aus jedem eine rote und gelbe Flamme erheibt".

Die Hefte des Val-de-Travers / Sachbuch der regionalen Ortsnamenkunde Band I / Die Namen un Wappen der elf Gemeinden des Val-de-Travers / Eric-André Klauser

Einige Daten

Viaduc de Couvet

1653 – Erste Erwähnung eines öffentlichen Schlachthofes « für den Metzger unserer Gemeinde am bezeichneten Ort und ’nous baillerons les langues à l’officier des grosses bêtes’. » (ev. wir werden den Offizier der grossen Tiere zum Schweigen bringen?).

1696 – Die Gemeinde ersetzt die zwei « plantes de bois », (ev. zwei Holzstämme?), die sie den Erbauern von neuen Häusern gab, durch eine Gabe von 12 „schwachen“ Pfunden.

1713 – Es wird beschlossen « das Geheimbuch der Gemeinde an niemanden auszulehnen oder bekannt zu geben, es sei denn ein Rittmeister und ein Schlossherr frage danach, so könne der Gemeindesekretär Angaben übermitteln, ohne es aus der Hand zu geben. »

1724 – Es wird ein ständiger Wachtposten errichtet. Vorher wurde diese Aufgabe von den Wächtern nur im Falle von öffentlicher Gefahr wie Krieg, Aufruhr, Brandkatastrophen und Überschwemmungen übernommen.

Von 1700 an – Die Gemeinde bemüht sich gegen die Bettelei zu kämpfen, trifft Massnahmen gegen die auswärtigen Bettler und verteilt beträchtliche Geldbeträge an alle Opfer von Brandkatastrophen, die ihr zu Ohren kommen. Sie errichtet ein « Chambre de charité » (sog. Kammer der Liebe), und übernimmt den Unterhalt eines Lokals, das dazu bestimmt ist, die armen Reisenden zu beherbergen. Die Brandwache, bestehend aus Männern « in einem gewissen Alter », musste nicht nur für die Aufrechterhaltung der Ordnung sorgen, sondern auch « in ihrer Nachbarschaft feststellen, wer nicht den Pflichten nachkommt, welche die Menschlichkeit ebenso sehr wie die Gegenseitigkeit es verlangen », um dem Rat Bericht zu erstatten.

Temple de Couvet

Während des XVIII. Jahrhunderts und bis 1848 war die Generalversammlung der Gemeinde (alle Gemeindemänner ab 20 Jahren) für alle Fragen zuständig. Die Versammlungen fanden häufig statt und waren sehr gut besucht. Sie wurden im Allgemeinen vom Ältesten der Bürgerwehr « justicier » des Dorfes geleitet. Alle wichtigen Entscheidungen wurden auf persönlichen Aufruf hin diskutiert, was viel dazu beitrug, die Gemeindemänner « communiers » für ruhige und überlegte Auseinandersetzungen auszubilden. Bei den Verhandlungen äusserten die Offiziere, die Richter, die Kirchgemeinde-Ältesten, die Räte (es waren 24, vor allem durch die Alteingesessenen gewählt) ihre Meinung nach der festgelegten Ordnung, die den von ihnen im Saal besetzten Plätzen entsprach.

1765 – Die Gemeinde von Couvet schenkt Jean-Jacques Rousseau einstimmig, mit 125 Stimmen, den Ehrentitel.


1779 – Es wird beschlossen das Gemeindehaus zu bauen, das auch Hasles. genannt wird. Es umfasst ein Schulzimmer, einen Gemeindesaal und Markthallen für die Händler. Eine Lotterie, welche lange Jahre dauerte und den Behörden viele Sorgen brachte, wurde im Jahre 1786 organisiert ; die aufeinanderfolgenden Ziehungen dauerten bis 1825 mit dem Ziel, den Armen beizustehen und für die Kammer der Liebe (« Chambre de charité ») ein Kapital zu schaffen.

Anlässlich der Durchreise des Königs, im Jahre 1814, errichtete man einen « arc de Triomphe », festgehalten vom Bildhauer Girardet.

Ferdinand Berthoud

1831 – Die geistigen Unruhen und die revolutionäre Bewegung erfassen Couvet.

Von 1831 bis 1842 gibt es wohl einige Unruhen an den Gedenkfeiern des 12. Septembers, aber nichts, was gravierende Massnahmen nötig macht, und 1842 kann der König wie anderswo ganz ohne Furcht Couvet seinen Besuch abstatten. Couvet empfängt ihn mit Begeisterung : « Nichts Prachtvolleres », schreibt ein Zeuge, « als das Aussehen von Couvet am 26. September 1842 beim Einzug Ihrer Majestäten. In der Hauptstrasse dieses Dorfes, soweit das Auge reicht, eine ununterbrochene Reihe von Fahnen, Bannern, Blumen, Girlanden und alle Arten Verzierungen… Nichts Feierlicheres als der Einzug Ihrer Majestäten in dieses schöne Dorf! An der Ehrenpforte Komplimente im Namen der Bevölkerung durch Oberst Berthoud empfangend, durchqueren sie es im Schritttempo, begleitet vom einstimmigen Beifall der Bewohner… Bei der Rückfahrt begegnet dem König derselbe Freudenjubel, dieselben Liebesbezeugungen, die ihn schon bei seiner Ankunft empfangen hatten. »


All diese Zeichen der Verbundenheit mit dem Königreich, obwohl sehr aufrichtig, konnten nicht andauern. Ein neuer Geist herrschte seit 1831 im Tal, entwickelte sich jeden Tag weiter und eroberte viele Herzen. So wurde die Revolution von 1848 im ganzen Tal mit Gelassenheit empfangen. Am 3. März 1848 « wurde die Gemeinde durch die Herren Gouverneure zur Versammlung zitiert, durch eine besondere Aufforderung des Sicherheits-Komitees von Couvet. Herr George Petitpierre, als Mitglied des erwähnten Komitees, übernahm den Vorsitz und erklärte das Ziel der Tagesversammlung, dann las er die Verordnung der provisorischen Regierung vor, datiert vom 2. März 1848 betreffend der Ernennung des Polizeikomitees. Schliesslich kündigte der Herr Präsident an, dass er vom Herrn Kommissar der Regierung die mündliche Weisung erhalten habe, die Gemeinde über die Frage abstimmen zu lassen, ob sie die provisorische Regierung anerkenne oder nicht…
Woraufhin Herr Louis-Alfred Berthoud, erster Gouverneur, jeden Gemeindebewohner namentlich ansprach, und die eingegangenen Stimmen das Folgendes ergaben :

  • 64 Gemeindeangehörige anekannten schlicht und klar die gegenwärtig Regierung
  • 26 Gemeindeangehörige anerkannten sie faktisch und unter Vorbehalt der Vereidigung
  • 3 Gemeindeangehörige lehnten unter Eid ab, sich über die Annahme oder die Zurückweisung der gegenwärtigen Regierung auszusprechen.

Von diesem Zeitpunkt an und bis in unsere Zeit kümmert sich Couvet um seine eigenen örtlichen Interessen. 1855 verkauft man das einstige Pfarrhaus und baut ein neues, man gründet eine Emulations-Vereinigung, man schmelzt die Glocken ein, man errichtet Laufstege über die Areuse (1871), man baut einen neuen Stand (1875), eine soziale Giesserei (1873), einen neuen Friedhof, eine kompletten Wasserdienst, den man am 6. Oktober 1890 einweiht, die französich-schweizerische Eisenbahn (1860) und den "Regional", (Regionale Eisenbahn) (1883).